Akkordblätter sind für Papier gemacht. ChordPro fürs Tablet.

Johannes Hasreiter

Fast jedes Akkordblatt im Netz sieht gleich aus. Oben steht eine Zeile mit Akkorden, darunter der Text. Das kennt jeder, und auf Papier funktioniert es seit Jahrzehnten. Auf dem Tablet geht es oft schief. Dieser Beitrag erklärt, warum das so ist und wann sich der Umstieg auf ChordPro lohnt.

So sieht ein klassisches Akkordblatt aus

G G7 C G
A-mazing grace, how sweet the sound

Der Akkord G gehört auf die Silbe „ma“. Er steht dort nur, weil davor genau die richtige Zahl an Leerzeichen steht. Das Blatt merkt sich also keine Silbe, sondern eine Spalte.

Drei Dinge, die das Blatt verschieben

Eine andere Schrift. Auf Papier war die Schrift fest. Auf dem Bildschirm wählt die App die Schrift, und in fast jeder Schrift ist ein „m“ breiter als ein „i“. Die Leerzeichen passen dann nicht mehr, und der Akkord landet eine Silbe zu früh oder zu spät.

Ein schmaler Bildschirm. Auf dem Handy oder im Hochformat bricht die Textzeile um. Die Akkordzeile bricht an einer anderen Stelle um oder gar nicht. Ab da stehen die Akkorde über dem falschen Wort.

Transponieren. Aus C wird C#, aus G wird Ab. Jeder längere Akkord schiebt alles dahinter nach rechts. Wer auf der Probe schnell einen Ton tiefer gehen will, bekommt ein schiefes Blatt.

Solange du ein PDF druckst oder eine feste Schrift nimmst, merkst du davon wenig. Sobald das Blatt sich an den Bildschirm anpassen soll, zeigt sich das Problem.

Was ChordPro anders macht

ChordPro schreibt den Akkord in eckigen Klammern direkt vor die Silbe:

A[G]mazing [G7]grace, how [C]sweet the [G]sound

Der Akkord hängt jetzt an der Silbe „ma“ und nicht an Spalte drei. Die App setzt ihn beim Anzeigen darüber, egal wie breit der Bildschirm ist und welche Schrift du gewählt hast. Beim Transponieren ändert sich nur der Name in der Klammer.

Dazu kommen ein paar Angaben in geschweiften Klammern, etwa {title: Amazing Grace} oder {key: G}. Daraus weiß die App Titel und Tonart. Mit {start_of_chorus} und {end_of_chorus} markierst du einen Refrain.

Was dafür spricht

Was dagegen spricht

Ehrlich gesagt gibt es auch Nachteile. ChordPro liest sich als Rohtext schlechter. Wer den Text ohne App ansieht, sieht Klammern mitten im Wort. Und das Schreiben von Hand ist anfangs ungewohnt, weil man den Akkord nicht mehr optisch über die Silbe schiebt.

Für ein Blatt, das nur ausgedruckt wird und nie transponiert, lohnt der Umstieg deshalb kaum. Für ein Songbook, das die ganze Band auf verschiedenen Geräten nutzt, lohnt er fast immer.

Aus meiner Praxis

Für meine eigene Songbibliothek ist ChordPro perfekt. Jeder Song liegt bei mir einmal als kuratierte Fassung vor, und die gilt ab dann. Dafür mache ich mir pro Song einmal die Arbeit. Viele holen sich Akkorde lieber schnell über eine Online-Suche. Das geht fix, aber jede Fundstelle sieht ein bisschen anders aus, und beim nächsten Mal fängt man wieder von vorne an. Ich mache es lieber einmal sauber.

Dazu kommt: ChordPro ist ein offenes Format, das auch andere Apps lesen. Meine Dateien sind damit die eine Grundlage, egal wo sie landen. Wenn Kollegen aus der Band mit einer anderen App spielen, importieren sie meine ChordPro-Dateien dort, und wir spielen trotzdem dieselbe Fassung.

Alte Blätter umstellen, ohne abzutippen

Niemand muss seine Sammlung neu schreiben. In GigSpace fügst du ein Blatt mit Akkorden über dem Text einfach ein und tippst auf Aus Leadsheet umwandeln. Die App erkennt die Akkordzeilen und setzt jeden Akkord vor seine Silbe. Überschriften wie „Refrain:“ oder „Strophe 2:“ werden zu Abschnitten.

Die Umwandlung ist vorsichtig. Eine Zeile, die sie nicht sicher als Akkordzeile erkennt, bleibt Liedtext. Gefällt dir das Ergebnis nicht, nimmst du es mit einem Tipp zurück. Wie das Schritt für Schritt geht, steht unter Songs importieren.

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